Jugendstil

Henry van de Velde und der Bürgeler Jugendstil

Als Reaktion auf die sich im Zuge der Industrialisierung verändernden Marktbedingungen, gründeten sich nach 1874 in Bürgel vier Tonwaren- und Majolikafabriken. Diese produzierten zunächst dem Zeitgeschmack entsprechend opulente, historistische Zierkeramik.
Der nur kurze Zeit währende Absatzerfolg dieser Großproduzenten veranlasste die großherzogliche Landesregierung Sachsen-Weimar-Eisenachs, den als Berater für die Entwicklung der gewerblichen und kunstgewerblichen Industrie nach Weimar gerufene Künstler Henry van de Velde auch mit der Prüfung und Verbesserung der Bürgeler Keramikherstellung zu betrauen.
Sein Spezialbericht stellte der Bürgeler „Luxustöpferei“ sowohl in Hinblick auf die technischen Fähigkeiten als auch dem künstlerischen Niveau ein wenig schmeichelhaftes Zeugnis aus. In seiner Skepsis hinsichtlich der Möglichkeit der in Bürgel existierenden Fabriken für Luxus-Tonwaren – Franz Eberstein, Carl Gebauer, Max Neumann und C.A. Schack – marktfähige Produkte zu entwickeln, begann er ab 1904 eigene Entwürfe sowie Arbeiten seiner Schüler an der Weimarer Kunstgewerbe Schule nach Bürgel zu liefern.
Verbindendes Element sind die Lauf- und Kristallglasuren. Im Gegensatz zum auf massenweise Reproduzierbarkeit angelegten Gießverfahren erhielt jedes Stück auf Grund dieser Dekorvariante Unikatscharakter.